Im Osten ist alles besser?! … wohl eher: grüner, nasser, wilder :-)
Wo waren wir stehen geblieben (immerhin ist schon wieder ganz schön viel Zeit vergangen seit dem letzten Bericht…)?! Ach ja! Wir verlassen am 07. Dezember die Hauptstadt Saint-Denis nach einem netten Abendessen mit Luciles Brüdern Arthur und Gaspard (und diversen Krabbel-Flug-Tierchen 🦟🐜 – eine Art fliegende Kakerlaken 🙄) in ihrer immer geselligen WG und einem kurzen Stadtbummel an einigen alten kreolischen Villen vorbei und durch die Markthalle auch schon wieder und – wir haben jetzt ein Auto 😉🚗! Damit düsen wir voller Vorfreude in Richtung Osten 😉.
Alte kreolische Stadt-Villen in der Hauptstadt Saint-Denis
Einkaufen auf dem „kleinen“ Markt 😋
Die erste eigene Fahrt auf der Insel verlief nahezu problemlos – wir „erwischten“ lediglich eine einstündige Straßensperrung 🤦♀️ wegen einer Baustelle auf der Zufahrtsstraße in den Salazie, den 3. Talkessel, mussten uns also ein wenig gedulden und durften dafür aber schon einmal „die grüne Hölle“ um uns herum bewundern 😍 (das mit der Sperrung sollte uns trotz angeschlagener und abfotografierter Sperrzeiten noch einmal passieren 🤪🧐). Unsere Ankunft im Salazie im kleinen Örtchen Mare de Poule d’Eau zwischen den bekannten Orten Salazie und Hell-Bourg verlief problemlos – Marie Paule (und später auch ihr Mann Yoland) und die Hündin Nala begrüßten uns freundlich und bei (noch! 😏) strahlendem Sonnenschein. Wir durften ein riesiges, bestens ausgestattetes Apartment in einem alten kreolischen Haus mit 2 Balkonen beziehen und sogleich den königlichen Blick vom vorderen Balkon auf diverse Wasserfälle und das bunte „village artisanal“ sowie vom hinteren Balkon in den Salazie auf den Piton d’Anchaing genießen – schlimm schön 😍🤩🤪😵. So lieblich und grün und zauberhaft hatten wir diesen Talkessel auch in Erinnerung – oder lag das daran, dass wir hier unsere ersten gemeinsamen Tage nach dem Kennenlernen verbracht haben 😋🤣?!
Unser Ausblick von den 2 Balkonen in Mare de Poule d’Eau im Cirque de Salazie 😍
Le Voile de la Mariée (der Brautschleier) – einer der berühmtesten Wasserfälle im Salazie 🤩
Voller Motivation für die verschiedenen Wanderungen im Salazie stellten wir uns den Wecker für den nächsten Morgen auf 6 Uhr und blickten erwartungsvoll aus dem Fenster auf das Wetter – denn so viel war uns klar: auf irgendeinen Wetterbericht kann man sich hier auf der Insel in keinster Weise verlassen, schließlich gibt es insgesamt ca. 200 Mikroklimata und das Wetter kann 100 m weiter bereits ein völlig anderes sein als da, wo die eigenen Füße gerade stehen 😉😮. Das sollten wir noch so einige Mal erleben… Das Motto im Salazie bzw. auf der Ostseite (die Seite im Wind „côte-au-vent*“) lautete also immer: 6 Uhr Blick aus dem Fenster, Check der Wetterlage und dann je nach Tendenz entweder „auf zur Wanderung!“ oder „zurück ins Bett krabbeln“ 😁. Da der erste Salazie-Tag uns dann direkt mit einem ordentlichen Regen begrüßte, war ein bisschen Entschleunigung angesagt 🤗 und am Nachmittag eine erste kleine Tour zu einem der unglaublich zahlreichen Wasserfälle – die Cascade Blanche – beeindruckend! Im Anschluss wagten wir die Rückkehr ins Örtchen Hell-Bourg tief im Herzen des Cirques – und (oh wie schön! 😍) hier hat sich zu unserer Freude nicht so viel verändert wie in anderen Orten der Insel oder wie beispielsweis in Cilaos. Das Dörfchen Hell-Bourg ist noch so ursprünglich, wie wir es kennen gelernt haben und wir konnten an diesem Nachmittag bei aufklarendem Himmel noch ein paar zauberhafte Blicke und Momente genießen.
* Côte-au-vent oder Capesterre ist der Name, den die französischen Siedler den Ostküsten der Inseln der Französischen Antillen und La Réunion gaben. Es ist ein Begriff aus dem im 17. Jahrhundert gebräuchlichen Marinevokabular, der ein den Ostwinden ausgesetztes Land bezeichnete, denn diese Küsten sind den Winden ausgesetzt: den Passatwinden, warmen Winden, die vom Äquator kommen. Diese Bezeichnung steht im Gegensatz zu der Bezeichnung Côte-sous-le-vent (die Westküsten derselben Inseln). Bei einigen Inselgruppen, wie den Kleinen Antillen oder Französisch-Polynesien, spricht man von Îles du Vent und Îles-sous-le-vent, wobei es sich in diesem Fall um eine geografische Unterscheidung handelt. [Quelle: https://fr.wikipedia.org/wiki/Côte-au-vent, übersetzt mit www.DeepL.com/Translator]
Kurze Wanderung zur Cascade Blanche ☺
Unsere Rückkehr ins verträumte Hell-Bourg 🥰🤗😊
Am nächsten Morgen haben wir uns dann aufgrund der guten Wettervorhersage zu einer Wanderung im Salazie aufgemacht (Flussläufe, Wälder, höher gelegene Dörfchen, schöne Ausblicke in den Talkessel, …). Und hui, es wurde wirklich heiß! 🥵 Es wäre ausblickstechnisch wohl der (einzige 😐) Tag schlechthin für den Aufstieg zum Piton d’Anchaing gewesen… aber wer konnte das schon wissen?! 🤷♀️
Eindrücke von unserer Wanderung im Cirque de Salazie nach Grandes Sables (ein Waldstück) 🥵☀
Aufgrund des sich wieder einstellenden grauen Wetters wurden die nächsten Tage gemütlich (Pilates! Lesen!) und dennoch abwechslungsreich, denn wir sind auch das ein oder andere Mal raus gefahren aus dem grünen, verregneten Talkessel – an die Ostküste nach Saint André mit kurzer Stadtvisite und Besuch der Vanillefarm der Familie Roulof, Stippvisite am schönen Bassin la Paix (am Fluss Riviére des Roches), Durchfahrt St. Anne mit seiner interessanten Kirche, Wanderung ab den Cascades Grand Anse entlang der rauen Vulkanküste (feucht-heiß! Mückenalarm!) und gutem Essen mit einmaligem Konzept – vor der Bestellung des Menüs konnte man jedes Gericht probieren – auf der Route du Volcan. Wie so oft war es auch diesmal besonders clever, einfach drauf los zu fahren – die 1-stündige Straßensperrung mitten im Salazie, deren Terminierung uns eigentlich sonnenklar war, wurde gefühlte 10 Sekunden, bevor wir dort eintrudelten, eingerichtet…🥴. Da half dann also nur warten 🤨
Eindrücke aus dem Osten – das Rathaus in Saint-André
Eindrücke aus dem Osten – die Kirche und das Meer in Saint-Anne
Eindrücke aus dem Osten – Wanderung entlang der Vulkanküste bei Anse les Cascades
Eindrücke aus dem Osten – Resto mit dem besonderem „Probierkonzept“ an der Route du Volcan
Eindrücke aus dem Osten – wunderschöne Bassins (bei Niedrigwasser) – hier Bassin la Paix
Zur sehr interessanten Führung auf der Vanillefarm Roulof noch ein paar Details 😊: Wir haben Vanillepflanzen in verschiedenen Stadien und Wachstumsphasen gesehen. Die schnell wachsende Lianenpflanze braucht nach dem Anpflanzen erst einmal 4 Jahre, bevor sie die ersten grün-gelben bis cremigen Blüten entwickelt. Bis dahin besteht die Kunst darin, die richtige Dosis an Sonne bzw. Schatten (daher wächst sie in freier Natur häufig an schattenspendenden Yucca-Palmen und ähnlichem) und Bewässerung sicherzustellen. Die Bestäubung der Vanilleblüte muss tatsächlich von Hand erfolgen, denn die einzige in der Natur vorkommende, sie bestäubende Bienenart lebt nur in Mexico (dem Herkunftsland dieser Vanilleart). Dazu legen erfahrene Frauen- und Vanillebauernhände die zwischen den männlichem Pollen und dem weiblichem Stempel vorhandene Membran in der zweigeschlechtlichen Blüte mit einem Holzstäbchen „beiseite“ und drücken Pollen und Stempel zusammen. Das alles in nur 3 bis 4 Sekunden! Und noch viel unglaublicher: die Blüten öffnen sich nur an einem einzigen Tag frühmorgens mit der Sonne (ca. 5:30 Uhr) und gehen zur Mittagsstunde wieder zu… das ist die Spanne, in der die fleißigen Helfer nur Zeit haben, die Bestäubung durchzuführen und das an Spitzentagen bei bis zu 2000 Blüten pro Tag/Person bzw. bis zu 15.000 Blüten insgesamt pro Tag! Ein Wahnsinn 😲😱😵. Wir waren Mitte Dezember nun gerade zum Ende der Blütenzeit da, konnten die Bestäubung aber noch an ein paar im Kühlschrank konservierten Blüten „live“ demonstriert bekommen. Danach dauert es ca. 9 Monate, bis sich die Früchte – die Vanilleschoten – entwickeln und diese sehen dann in der Tat erst einmal aus wie grüne Stangenbohnen, bevor sie gelb werden und geerntet werden können. Es beginnt sodann ein aufwendiger, arbeitsintensiver Prozess der Fermentation in 4 Schritten: die Bohnen „blanchieren“ und in Leinentüchern schwitzen lassen (dadurch bekommen sie ihre schokobraune Farbe, die man kennt), dann 15 Tage sonnentrocknen (Achtung: bei drohendem Regen schnellstens reinholen, sonst verdirbt die Ernte!), dann noch ca. 1 Monat schattentrocknen im Hausinneren, dann werden alle Schoten einzeln „befühlt“, ob der Feuchtegrad passt, um sie anschließend bzw. final als kleine Bündel noch für weitere 9 Monate in Holzkisten zu lagern, damit sich das Aroma abschließend entwickelt. In diesen 9 Monaten muss man dann „nur“ noch aufpassen, dass nicht auch nur eine einzige Schote verdirbt, da die Fäulnis auf den kompletten Inhalt der Holzkiste abfärbt 😲. Insgesamt sind somit irrwitzige ca. 6 Jahre vergangen von der Anpflanzung bis zum erstmöglichen Zeitpunkt des Verkaufs einer fertigen Vanilleschote 😍😮. Angesichts dieses sehr aufwendigen Prozesses, der Wasserknappheit auf der Insel, einer stets drohenden Pilzkrankheit für die Vanille und der extrem hohen Nachfrage im Vergleich zum Angebot erklärte sich uns auch schlussendlich der hohe Preis von ca. mindestens 3-4 Euro für eine kleinere Schote und die strenge Limitierung des Verkaufs pro Kopf. La Réunion ist nicht der Hauptproduzent der Vanilleschoten – der Hauptteil stammt aus Madagaskar (und geringere Mengen z.B. auch aus Mauritius, von den Seychellen, …) – sodass die auf La Réunion hergestellte Vanille überwiegend in den örtlichen Einzelverkauf an Touristen und Gastronomen geht. Wir haben in jedem Fall unglaublich viel dazu gelernt und aufgesaugt und die Führung mit dem Sohn der Vanillefarm sehr genossen 😊.
Impressionen von der Vanillefarm der Familie Roulof – die Pflanzen mit Schoten, die Blüten und der freundliche Vanillebauer 🥰
Nach den insgesamt doch ziemlich verregneten Tagen im Salazie könnte man sagen, dass wir und das Wetter Kraft gesammelt haben für die anstehende 3-Tages-Wanderung zum und auf den Piton des Neiges – der ehemalige, tote Vulkan und höchste Punkt der Insel (3070hm), dem sie ihre Entstehung, Entwicklung und ihren landschaftlichen Charakter zu verdanken hat. Ein großes Déjà-vu für uns beide, haben wir uns doch hier genau vor 3 1/2 Jahren kennen gelernt… dieses Mal haben wir den Aufstieg aber von Hell-Bourg (im Salazie-Talkessel) gewagt und vorher noch die Wanderung zum Trou de Fer Wasserfall eingebaut…
3-Tages-Wanderung zum Piton des Neiges
Gemütliche 36km Gesamtstrecke mit ca. 2300 Höhenmetern im Auf- wie im Abstieg. 😃 Hätten wir gewusst, was uns beim Abstieg ab KM 30 erwarten würde, hätten wir uns vielleicht ganz bestimmt für eine andere Route entschieden…🙈 Gleich mehr dazu…
Auf dem Weg zur Caverne Dufour trafen wir noch den/die ein oder andere/n traurige/n Wanderer oder Wanderin, die trotz der ganzen Strapazen des Aufstiegs auf den Piton kein Wetterglück hatten, da die Sicht am frühen Morgen leider nicht klar bzw. durchaus verregnet war und man nichts gesehen hat da oben… bitter, da der Aufstieg – egal von welcher Seite – immer mindestens 1700 Höhenmeter oder mehr bedeutet und sich aber das Wetter „von unten“ vorher nur sehr schwer für den jeweiligen Morgen des Schlussaufstiegs voraussagen lässt. Wer dann nicht ganz spontan den ganzen Aufstieg bis zum Gipfel z.B. von Cilaos aus ab Mitternacht wagt, sondern wie die meisten Leute auf 2 Tage verteilt, der hat dann eben vielleicht oben beim Finale Pech gehabt. Nun ja… wir wussten ja aus der Vergangenheit, worauf wir uns einlassen und sind trotzdem optimistisch und frohen Mutes losmarschiert.
Wir durften unsere großen Rucksäcke und diversen Kleinkram für die „Wandertage“ noch bei bei Marie und Yoland lassen, stellten das Auto also im verträumten Hell-Bourg am Straßenrand ab und starteten mit dem ersten Aufstieg zum Plateau der Gîte de Belouve. Frühmorgens, mit frischer Luft, angenehmer Lauftemperatur und bei Sonne mit klarer Sicht auf den Salazie liefen sich die ersten knapp 600 Höhenmeter fast wie von selbst. Oben angekommen, wurden wir direkt mit einem tollen Ausblick in den Talkessel und auf das Panorama der umliegenden Berge belohnt (vor 3 1/2 Jahren hatte das hier nicht geklappt 😉) und ich konnte auch ein paar Streicheleinheiten vergeben 😍😸.
Der erste Teil und Aufstieg ist geschafft – Blick in den Salazie von der Ebene der Gîte de Bélouve 😎😮
Wir machten uns – da noch viel Zeit bis zur Öffnung der Unterkunft blieb und wir für den ersten Tag noch einen Abstecher geplant hatten – sodann auf den Weg in den angrenzenden Forêt de Belouve (der Wald von Belouve) und in Richtung der Aussichtsplattform oberhalb des Wasserfalls Trou de Fer. Der Weg führt zum kleineren Teil auf Forststraßen und zum größeren Teil auf verschlungenen Wegen und überwiegend Holzplanken (weil sonst zu feucht 😏) durch einen zauberhaften, noch überwiegend ursprünglichen (Primär- bzw. Ur-)Wald im Herzen von La Réunion. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt – einer Märchenwelt – und für mich persönlich ist dieses Gebiet (zusammen mit dem benachbarten Forêt de Bebour und ähnlichen Hoch- bzw. Bergwäldern) mit das schönste der gesamten Insel. Es wachsen in diesem kleinen Dschungel verschiedene typisch-réunionnesische Arten wie Tamarinden-Bäume, Baum- oder Palmfarne, Orchideen, Moose und Aronstabgewächse. Die knorrigen Tamarinden bieten anderen Pflanzen wie Farnen, Moosen und Orchideen ein Zuhause und sie haben gleichzeitig einen sehr hohen Stellenwert als Nutzpflanze (aus ihrem Holz wurden hier früher ganze Häuser gebaut bzw. mit Schindeln daraus eingedeckt). Sie wachsen nicht für umsonst „quer“ oder „liegend“ – die Bäume haben sich über die Zeit an die anspruchsvolle Witterung angepasst, um auch bei einem starken Zyklon durch die Ausbildung von weiteren Wurzeln entlang des liegenden Stammes zuverlässig Fuß zu fassen 😉. Und: Die Tamarinde kann als essbare Frucht in der Küche gute Dienste leisten – wir haben eingelegte Tamarinde bzw. Tamarindensaft schon auf Mauritius einmal probieren dürfen, sehr lecker, süßlich, fruchtig, gleichzeitig etwas säuerlich 😋 Yummi!
Wanderung durch den zauberhaften Wald von Bélouve 🌱🌳🍃
Doch auch hier in den Wäldern von Bélouve und Bebour, ich will es kaum wahrhaben, bedrohen vom Mensch eingeschleppte, invasive Arten die ursprüngliche Flora. Auf der gesamten Insel (vor allem in den drei Talkesseln) konnten wir bereits mehrere dieser exotischen, offenbar extrem schnell wachsenden Pflanzen in Hülle und Fülle finden und sie sind eine absolute Plage 😣😥🤮, bilden riesige Rhizome und vermehren sich unglaublich. Uns ist der Unterschied zu vor 3 Jahren richtiggehend extrem aufgefallen und alle Versuche, diese wieder einzudämmen, sind wahrscheinlich ein Kampf gegen Windmühlen. Um ein paar Zahlen zu nennen (Quelle https://www.lareunionlela.fr/visiter-la-reunion/foret-de-bebour-informations/): Vor der Ankunft des Menschen gab es etwa 900 Pflanzenarten auf der Insel. Danach wurden über 3000 weitere mitgebracht. Ein großer Teil davon blieb in den Gärten erhalten. Dagegen haben sich fast 1 000 Arten in der Natur vermehrt. Etwa 100 von ihnen sind jedoch invasiv geworden.
Huii.. ich bin ein wenig abgeschweift ☺! Also jetzt zurück zu unserer Wanderung durch den zauberhaften Wald von Bélouve zum Wasserfall Trou de Fer. Auf dem dichten Waldstück holte uns dann doch – für diese Gegend aber auch sehr typisch- der Regen noch ein und wir beeilten uns ein wenig, um halbwegs trocken zum Aussichtspunkt zu kommen. Uns kamen schon einige Leute entgegen und die Sicht hatte sich offenbar schon komplett zugezogen… trotzdem absolvierten wir das letzte Stück noch und reihten uns in eine kleine Traube wartender Wanderer ein – und siehe da! Unser aller Geduld wurde nach ca. 30 min belohnt und der Himmel riss noch einmal für ein paar wunderschöne Momente mit freier Sicht auf den Wasserfall auf 😍! Gleichzeitig konnten wir so das Schauspiel der unglaublich schnell aufsteigenden und wieder verschwinden Nebelwolken beobachten und unseren Mittagssnack auf dem Aussichtsbalkon genießen. Der Rückweg zur Gîte de Belouve verlief einigermaßen trocken und wir bezogen nach einem Blick auf die alte Seilbahn (von dort in den Salazie hinab) und einem leckeren, gewohnt kreolischen Abendessen unser 4er Zimmer zusammen mit einem jungen französischen Ärzte-Pärchen. Die Wetteraussichten für den nächsten und übernächsten Tag – natürlich ungewiss 😉.
Ankunft im Regen am Trou de Fer – aber unser Warten wurde belohnt 😋☺
Die alte Seilbahn von der Ebene der Gîte de Bélouve in den Salazie
Am nächsten Morgen starteten wir ganz gemütlich – schließlich hatten wir recht viel Zeit, um die moderat ansteigenden 8,5 km (insgesamt ca. 1000 hm an diesem Tag) bis zur Öffnungszeit (15 Uhr) der Caverne Dufour zu schaffen – durch einen weiteren Teil des Forêt de Bélouve und die sich anschließende Hochebene. Es gab nur eine Richtung: nach oben! Die Vegetation wurde zunehmend karger (wir bewegten uns an diesem Tag in Richtung der 2.400 hm, also über die Baumgrenze hinweg) und wir hatten kaum Sicht… das Wetter war grau bis nieselig, ein richtiger Regen blieb aber zum Glück aus. Und zum Mittagssnack hatten wir sogar passend kurzzeitig einen wunderschönen Ausblick in den Cirque de Salazie 😊, einschließlich des südlichen Talkesselrandes, über den wir ja aufgestiegen waren. Und so kamen wir am Nachmittag „pünktlich“ um 15 Uhr an der Caverne Dufour an und es erwartete uns der bekannte „Nicht-Luxus“ dieses Refuges 😏😜 mit 3er-Stockbetten in 15-Betten-Schlafzimmerchen und fehlender Dusche. Eben eine echte Refuge (Refugium, ein Zufluchtsort; früher sicherlich nur ein reiner Unterschlupf oder eine Schutzhütte für müde Wanderer). Da wir aber so zeitig dran waren, konnten wir ohne Probleme 2 Betten in der untersten Etage ergattern und noch für einen ganzen Moment die Beine lang machen (Mittagsschlaf 😉 – sehr zu empfehlen angesichts des anstehenden Gipfelaufstiegs am nächsten Morgen ab 3:30 Uhr). Während Tobi sich dann noch ein wenig in sein Buch vergraben hat, quatschte ich draußen noch ein wenig mit dem ein oder anderen ankommenden Mitstreiter und beobachtete den sich tatsächlich aufklarenden Himmel am Spätnachmittag bzw. Abend. Es keimte eine kleine Hoffnung für das Wetter am nächsten Morgen 🙏🙃.
Wanderung auf dem Abschnitt von der Gîte de Bélouve zur Caverne Dufour durch den Bélouve-Wald und die Hochebene
Ankunft an der Caverne Dufour – es klart auf und der Gipfel des Piton rückt in den Blick 🤩
Abends ging es dann für alle in den Speisesaal, um das typisch kreolische Essen (Reis, Linsen, Carri mit Hühnchen und sogar ein zweites Carri mit Fisch) zu genießen. Spätestens jetzt hatten Tobi und ich einen schönen Backflash, haben wir uns schließlich genau hier in diesem Essensraum vor 3 1/2 Jahren kennen gelernt, als wir damals nebeneinander gesetzt wurden 🥰❤. Und auch dieses Mal lagen wieder kleine Namenszettelchen auf den Tischen, um alle Wandersleute zu platzieren und unterzubringen 😉. Nach dem Essen und nachdem alle mit großem Geraschel dann endlich zur Ruhe gekommen waren, ging’s ziemlich schnell in die Betten (in der Hoffnung, keinen schlimmen Schnarcher unter den 13 anderen Zimmergenossen zu haben), denn…
…um 3 Uhr hieß es: raus aus den Federn! Der erste Blick in den Himmel zeigte: sternenklare Sicht! Wir konnten es kaum fassen! Also auf zum Kaltstart direkt nach dem Aufstehen, um die letzten knapp 700 hm im Dunkeln und mit Stirnlampe zu bewältigen… für mich gab es im Anstieg eine ziemliche Quälerei mit dem Blutzucker und der zunehmend dünneren Luft, sodass wir nur sehr langsam voran kamen. Aber immerhin um Punkt 5 Uhr erreichten auch wir – bei einem sich bereits leicht rötlich färbendem Himmel – dann doch den Gipfel und gesellten uns zu den übrigen, in der Kälte (ca. 5°C) ausharrenden Mitstreitern. Alle sahen sehnsuchtsvoll dem Sonnenaufgang (und der mit der Sonne endlich ankommenden Wärme) entgegen und mummelten sich bis dahin in alle vorhandenen Kleidungsstücke (und Schlafsäcke 😉) so gut es ging ein. Es waren bis dahin auch nur wenige Wolken am Horizont aufgezogen und wir hatten tatsächlich eine annähernd freie Sicht auf die gesamte Insel (außer natürlich, wie soll es anders sein, in den Inselosten, wo zuverlässig die dicken Wolken hingen 😉) mit den schönen Blicken in den Cirque de Cilaos hinein, in Richtung Mafate nach Marla und auf die Meeresküste. Der Himmel wurde hell und die ersten Sonnenstrahlen kämpften sich über die kleinen Wolkenberge, so dass wir uns ab ca. 6:15 Uhr endlich aufwärmen konnten. Eine echte Belohnung also in mehrerlei Hinsicht – natürlich auch mit „unserer“ kleinen Tradition, die Tobi damals begonnen hat – dem Gipfelei 🥰.
Der Sonnenaufgang auf dem Piton des Neiges – au top! 😍❤🥰☀
Irgendwann waren wir ganz allein auf dem Piton 🥰 (warum steigen eigentlich alle so schnell wieder ab nach den ganzen Strapazen und genießen den Ausblick nicht einfach noch ein bisschen länger? Das „tolle“ Frühstück – 1 trockenes Baguette mit Marmelade und eine braun-schwarze Suppe namens Kaffee – im Refuge kann eigentlich nicht der Grund dafür sein 😏😏😏). Kurz vor dem Abstieg haben wir dann noch einen Heli-Anflug beobachtet (sicher sowas wie einer der teuren Inselrundflüge, die man buchen kann)… 2 Landungen an unterschiedlichen Aussichtspunkten da oben, jeweils kurz aussteigen und eine Fotosession in alle Richtungen und das war’s. So ganz legal und genehmigt kann das wohl nicht gewesen sein 🙄🥴🤮 Im Herzen des Nationalparks darf so ein Heli schlichtweg nicht einfach an beliebigen Stellen zu touristischen Zwecken drüberfliegen oder gar landen…u.a. wegen des dort nistenden, geschützten Barausturmvogels gibt es sehr strenge Beschränkungen. Es kann wirklich keine zwei Meinungen darüber geben, wie sinnvoll eine solche „Motivjagd“ ohne jegliche Anstrengung oder ohne ein etwas ausgiebigeres Genießen sein kann 🙄🤬. Es passt aber bisweilen leider recht gut in das Bild, wie sorg- und respektlos manche Leute hier mit der Natur umgehen. Vermüllte (Wander-)Wege hier, Klo-Ecken mit Haufenweise Taschentüchern dort, achtlos weggeworfener Biomüll („ist ja nur Bio-Müll, verrottet doch“ – falsch! take your litter with you!), Füttern von wilden Tieren, Anfüttern von Fischen, um das Schnorchel-Erlebnis intensiver machen und so weiter und so fort…😞😠
Nachdem wir uns selig angesichts des Wetterglücks von den Rundumblicken lösen konnten, begann der Komplettabstieg (2300 hm) des dritten Tages zunächst fröhlich und locker in der Morgensonne zurück zur Caverne Dufour, wo wir unser mitgebrachtes Frühstück verspeisten und dann auf dem Rückweg in Richtung Hell-Bourg, dieses Mal mit einer etwas kürzeren, aber umso steileren Variante, als beim Aufstieg…in der ersten halben Stunde verlief für uns alles zunächst prima – bis…ja bis dann doch der Regen einsetzte und dieses Mal aber so richtig 😮🙄💧☔🌧. Innerhalb weniger Minuten bildeten sich Sturzbäche von Wasser, die ihren Weg durch den Wanderpfad suchten – das Wasser stürzte sich also mit uns gemeinsam den Berg hinunter. Schnell kam es zur absoluten Überflutung aller Wege (selbst im dichten Wald! 😮😲) und raschem Anstieg des Wassers. Von daher gibt es zu diesem Abschnitt nicht einmal Fotos oder Videos, weil alles drohte, komplett nass zu werden und wir zusehen mussten, alle Geräte tief im Rucksack halbwegs trocken zu halten und nach unten zu kommen. Immerhin mussten wir nun nicht mehr aufpassen, wo man hintritt, um die Schuhe möglichst trocken zu halten – es war schlichtweg unmöglich und unsere Schuhe und Füße wurden sowieso komplett nass, das Wasser lief und stand knöchelhoch. Wir sind in unserem Leben wohl noch nie so nass geworden, einmal komplett durch bis auf die Unterwäsche 😅.
Nach dem gesamten Abstieg, davon etwa 3 Stunden im absoluten Dauerregen, sind wir dennoch gut wieder am Auto in Hell-Bourg angekommen und hatten dort zum Glück trockene Wechselsachen deponiert 😁. Unser restliches Gepäck sammelten wir danach wieder bei Marie Paule und Yoland aus der vorherigen Unterkunft ein. So konnten wir noch einmal die Hündin Nala kraulen, mit den beiden noch einen Plausch halten und ihre Geschichte erfahren 😋. Nämlich, wie nach erster Jugendliebe zwischen ihnen eine Trennung folgte und 30 Jahre (sic!) vergehen mussten, bis sie sich wieder gefunden haben 😊, dann ihr schönes Haus kauften und Nägel mit Köpfen machten (so zum Beispiel die schon vorhandenen Ferienwohnungen der Vorbesitzer weiterführten und das Haus stets erweiterten und umbauten). Die Hosen hat dort eindeutig Marie an… (was kann die Frau reden 😆, da hält sich der handwerklich begabte Yoland meist im Hintergrund).
Nach diesen aufregenden Tagen im Salazie und auf dem Piton erwartete uns eine weitere, ganz besondere Unterkunft in der östlichen Hochebene Plaines des Palmistes (wo wir im Grunde genommen nur wegen dieser zauberhaften Bleibe gelandet sind 😉) – la Roulotte! Schon beim Finden des Inserates auf AirBnB haben wir uns verliebt, nicht zuletzt weil uns dieser liebevoll gestaltete Wagen von Fabrice & Adriana an unsere Polenta zu Hause erinnerte 🥰. Wir wurden von Adriana herzlich in ihrem schönen Garten empfangen und sie zeigte uns die von ihrem Partner selbst gebaute und mit vielen, sehr schönen Details ausgestattete Roulotte voller Stolz. So gab es zum Beispiel die selbst gebaute Küche mit geschwungener Arbeitsplatte und Beinen aus Baumhölzern oder das außen noch angebaute Bad mit Blicken ins Grüne 🤩. Zusätzlich erwarteten uns eine Schüssel frisches Obst, ein selbst angesetzter Kräuterrum ihrer Mama und handgemachte Seife einer Freundin. Sehr viel Liebe zum Detail und sehr viel Wohlfühlatmosphäre! Den Ankunftsabend und den nächsten Tag (schließlich mussten wir uns nach den Strapazen erholen 😉) haben wir es außer zum Pizzaholen nicht wirklich raus geschafft aus der Höhle 🤗😄.
Die süße Roulotte in Plaine des Palmistes – die bisher schönste Unterkunft 😍
Die folgenden Tage waren geprägt von einem recht wechselhaften, eher regnerischen Wetter (gut, dass wir es in Roulotte so gemütlich hatten) und es war eine kleine Herausforderung, alle nassen Wanderklamotten irgendwie trocken zu bekommen. Wir stellten uns darauf ein, auch wenn wir natürlich nach ein paar Tagen die Sonne schon vermissten 😏😵.
Aufgrund der stärkeren Regenfälle aus den letzten Tagen wurden unsere Pläne im grünen, wilden Inselosten mehrfach umgeschubst 😏😮. So konnten wir die geplante Wandertour in das schöne Takamaka-Tal bis zu einem Abschnitt mit 27 Leitern 😁 zum Îlet Bananes über den Wald von Bébour nicht durchführen, da der Weg einfach komplett durchweicht war und wir bereits nach den ersten paar hundert Metern den Rückzug antreten mussten.
Dadurch haben wir uns aber statt dessen z.B. eine alte kreolische Villa angeschaut – die Domaine des Tournelles – mit ein bisschen Inselgeschichte rund um die Hochebene und die sogenannten „Luftwechsel-Ferien“ („Changemant d’Air“) 🤣. Schon sehr früh haben die Inselbewohner den Vorteil einer solchen Hochebene mit ihren kühleren Temperaturen und der frischen Luft entdeckt und sind der Hitze und Schwüle der Küstenregionen entflohen 😉. Gleich nebenan gab es auch noch ein paar sehenswerte kleine Ateliers und das Nationalpark-Museum mit ganz vielen Infos zur Geologie, Inselentstehung, Flora und Fauna – absolut sehenswert! Weiterhin haben wir auch einen Abstecher zum Aussichtspunkt Belvédère du Bois Court über dem wunderschönen Grand Bassin in der nahe gelegenen Plaine des Cafres gemacht (Achtung: atemberaubend!) und dort einen Eindruck von der réunionnesischen Vorweihnachtszeit der Familien mit (was auch sonst 😉) riesen Picknick-Gelagen und Musik bekommen. Schließlich haben hier jetzt alle Sommerferien 😎 bis Anfang Februar.
Die Domaine des Tourelles in Plaine des Palmistes mit sehr interessanten Informationen rund um die Insel und ihren Tourismus in den Anfangszeiten
So ist man früher nach Cilaos gekommen: mit dem Zug nach Saint-Louis, Ankunft zwischen 10 und 18 Uhr / dann 7 km weiter mit dem Pferdewagen für 7,50 francs bis zum Platz „Les Aloes“ / dann 29 km bis zur Bewässerungsstation von Cilaos mit tragbahren Stühlen (!), getragen von 4 bis 8 Trägern – abhängig vom Gewicht des Reisenden 🤪 – ein Träger kostete 5 francs, ein Träger für das Gepäck (max. 25 kg) kostete 3,50 francs
Ateliers in Plaine des Palmistes
Am Aussichtspunkt Bois Court mit Blick in das Tal des Grand Bassin 🤩
Gouzous in der Plaine des Cafres 😛😇
Für einen Vormittag hatten wir uns eine Canyoning-Tour am Rivières des Roches in Küstennähe mit Start am Bassin la Paix gebucht – wer oben aufgepasst hat: dort waren wir bereits einige Tage vorher schon mal gewesen 😉 und hatten es für sehr schön befunden 😎😄. Nachdem wir die Roulotte also für den Tag und unsere Ortslage in Plaine des Palmistes verlassen hatten, besserte sich auch das Wetter zusehends 😉 und wir schöpften Hoffnung für einen spaßigen Tag am und im Wasser. Am Bassin la Paix angekommen, trauten wir unseren Augen aber kaum angesichts des deutlich höheren Wasserstandes im Fluss und in den Becken im Vergleich zu vor einigen Tagen 😲. Hier konnte wohl kaum eine sichere Canyoning-Tour stattfinden… zurück im Auto registrierte ich dann auch die gefühlten 100 Kontaktversuche des Anbieters ab 7 Uhr morgens auf meinem Handy, dass die Tour aufgrund des angeschwollenen Flusslaufes nicht stattfinden kann, wir aber stattdessen eine Rafting-Tour auf einem anderen Fluss (Rivière des Marsouins) in der Nähe mitmachen könnten. Also fuhren wir kurz entschlossen mit dem Auto rüber und fanden uns mit zahlreichen anderen Teilnehmern auch flux mit Helm, in Neopren und Schwimmweste wieder 😉. Unser Alternativprogramm gestaltete sich somit auch ziemlich spaßig, sehr sicher und gut organisiert. Insgesamt waren wir zwar ein paar zu viele Teilnehmer, aber wir hatten – jeweils im Einer-Rafting-Kajak – bei Sonne und mit einigen Stromschnellen dennoch viel Spaß. Ich „musste“ sogar die letzte, sehr abenteuerliche Stromschnelle außerhalb des Bootes im Wasser treibend überwinden, da ich dort direkt am Anfang aus dem plötzlich in Schieflage geratenem Boot gefallen bin 😏😆 (zum Glück ist nix passiert).
Zu viel Wasser nach dem Regen! Hier war kein Canyoning möglich 😯🤐- hier WIEDER das Bassin la Paix 😉
Soooo… und da der Tag ja erst halb zu Ende und das Wetter noch schön war, nutzten wir den Nachmittag noch, um uns dieses Mal von der anderen Seite her (von der Küste kommend) dem Takamaka-Tal zu nähern 😉 – zweiter Versuch. Wir steuerten einen Aussichtspunkt am Ende einer (wie immer) kurvenreichen Straße an und – tadaaaaaaaaa – wurden ziemlich überwältigt von der Aussicht in das wilde, ursprüngliche Tal mit seinen zahlreichen Wasserfällen 😮🤪🤩. Unglaublich! Warum haben wir das beim letzten Mal ausgelassen? Noch unglaublicher ist, dass die EDF (französische Elektrizitätsgesellschaft) in dieses Tal in den Jahren 1964 bis 1968 ein Wasserkraftwerk mit zwei Staudämmen in den Berg gezimmert hat 😲 und aus dem Rivière des Marsouins (wo wir noch eben Rafting gemacht haben) noch immer Strom gewinnt. Um mal ein paar Details zu nennen (Quellen: https://fr.wikipedia.org/wiki/Barrage_hydroélectrique_de_Takamaka_I / https://fr.wikipedia.org/wiki/Barrage_hydroélectrique_de_Takamaka_II / übersetzt mit www.DeepL.com/Translator):
Der Takamaka-I-Staudamm oder Gingembre-Staudamm ist das Hauptbauwerk der ersten Takamaka-Wasserkraftanlage auf der Insel La Réunion […]. Der Staudamm liegt oberhalb von fünf Wasserfällen, die teilweise über 50 Meter hoch sind, darunter der Regenbogen-Wasserfall unterhalb des Takamaka-II-Staudamms (Hirondelles-Staudamm). Er wird hauptsächlich durch das Wasser des Marsouin-Flusses gespeist, aber auch durch das Wasser des Bras Cabot, das durch einen 865 m langen Tunnel mit einem Querschnitt von 2,3 x 3,2 in den Hauptfluss des Marsouin-Flusses umgeleitet wird. Dieser 30 km lange Wasserlauf entspringt in 2500 m Höhe in der Nähe von Cilaos und durchquert von West nach Ost den Wald von Bébour, bevor er in das Takamaka-Tal gelangt. Eine Wasserentnahme am linken Ufer ermöglicht die vollständige Entleerung des Stausees.
Das von Takamaka 1 entnommene Wasser wird durch einen 1240 m langen, traditionell gegrabenen Zuführungsstollen (2 m hoch, hufeisenförmig) geleitet. Mehrere weitere kleine Stollen wurden gesprengt und führen zu der 316 m tiefen unterirdischen Fabrik oder leiten das Wasser von einem Standort zum anderen. Der vertikale Fallschacht bringt das Wasser aus dem Zuführungsstollen nach einer Fallhöhe von 270 Metern zu den Turbinen. Er ist vollständig betoniert und teilt sich an seiner Basis in zwei Teile, von denen jeder Zweig eine Turbine versorgt.
Der Takamaka-II-Staudamm […] wurde oberhalb des Îlet Bananes errichtet. Der Ort wurde aufgrund seiner für die Anlage eines Staudamms günstigen Einbuchtung und der starken Wasserzufuhr durch die umliegenden Wasserfälle ausgewählt. Das Wasser aus dem Staudamm wird durch einen Stollen unter einem Plateau, das aus neueren vulkanischen Formationen des Piton des Neiges besteht, die ein altes Tal in den älteren Formationen der Phase 2 des Piton des Neiges ausgefüllt haben, zum unterirdischen Kraftwerk geleitet. Der Stollen, der 4500 m lang ist und einen Durchmesser von 2,7 m hat (Ausbruchsdurchmesser 3,1), wurde Mitte der 1980er Jahre gegraben. Das durchschnittliche Gefälle beträgt 0,7 %. Der Stollen wurde von der Firma Bouygues mit einer Tunnelbohrmaschine vorgetrieben und aufgrund von starkem Wassereintritt vollständig gepanzert.
Die Hauptanlage Takamaka II ist mit zwei zusätzlichen, zur gleichen Zeit errichteten Wasserfassungen gekoppelt: die Fassung Bras Cabot und die Fassung Bras Patience. Das Wasser aus letzterem wird durch einen in den Berg getriebenen Tunnel zum Kraftwerk geleitet. Für den Bras Cabot wird das Wasser aus der Hauptwasserfassung, die sich am Lauf des gleichnamigen Flusses befindet, durch einen 800 m langen Tunnel durch den Berg geleitet, dieses Wasser wird dann an den Fluss Marsouins zurückgegeben. Der Bau dieses Tunnels erforderte eine mittlerweile abgebaute Seilbahn, die auf der heutigen Plattform Pk16 begann und auf der eigens dafür geschaffenen Plattform Bras Cabot endete. Überreste dieses Bauwerks sind übrigens in der Vegetation und auf der Plattform zu sehen, wo die Stahlseile und Betonpfeiler zum Teil noch stehen gelassen wurden.
Die maximale Durchflussmenge oberhalb von Takamaka I beträgt 7,5 m3/s oder 480.000 m3/d. Die maximale Durchflussmenge oberhalb von Takamaka II beträgt 9 m3/s oder 777.600 m3/d.
Wunderschönes Takamaka-Tal und Wasserkraftwerk von EDF 😍😮⚡
Puhhh… so viele wundervolle Eindrücke aus dem grünen, wilden Inselosten. Wären diese 2 Wochen nicht insgesamt so nass gewesen und könnte man hier mit dem Wetter besser planen – wir wären mit Sicherheit viel viel länger geblieben (und hätten la Roulotte nicht nur eine Nacht verlängert 😉), zumal wir noch lange nicht alles gesehen haben. Dennoch „zwang“ uns die Notwendigkeit, mal einen Berg Wäsche zu bewältigen und den stinkigen, feuchten Wandermuff daraus zu vertreiben, dazu, in eine sonnigere Ecke der Insel zu wechseln. Also suchten wir uns die nächste nette Bleibe, möglichst nicht zu nass und nicht zu heiß 😉 – dieses Mal bei Ringo und seiner Schwester Daisy in Etang-Salé les Hauts im Südwesten. „Les Hauts“, also in den Höhen… und wir sollten feststellen: was 300 Höhenmeter temperaturtechnisch im Vergleich zur heißen Küste doch ausmachen! 😊
Dort geht’s also bald weiter…hier sind noch die Bilder zu diesem Blogeintrag verlinkt:
Strand und Hauptstadt
Piton des Neiges
Salazie und der Osten I
Salazie und der Osten II
am 3. Januar 2023 um 18:37 Uhr.
Geil, was ihr Euch hier eine Arbeit mit den tollen Berichten macht. Aber so kann man sich später auch selber besser erinnern. Keep going, travellers. Formidable votre voyage!