Hotel Whataroa – erster Teil

(wie immer erstmal ein Link zu ein paar Bildern vom Hotel (klick mich) und weiteren Bildern (klick mich))

Oh je – wo soll ich bloß anfangen? Seit 6 Tagen hänge ich hier irgendwo im nirgendwo in der ranzigsten Unterkunft überhaupt fest – und es ist einfach großartig! Milford Sounds? Mount Cook? Pancake rocks? Fjordland? Lake Wanaka? Abel Tasman? Marlborough Sounds? Braucht kein Mensch. It’s not about the places, it’s the people you meet! 😀

Naja, um ehrlich zu sein, ist die Umgebung hier alles andere als langweilig und unspektakulär – u.a. den Franz Josef Gletscher direkt vor der Nase zu haben, den besten Blick auf die Sterne und Milchstraße bei Nacht zu genießen und eine unberührte Natur zu erleben ist nicht das Schlechteste, was mir passieren konnte…aber ursprünglich war die Idee meiner Reise ja eben nicht, möglichst viele „must-sees“ checklistenartig abzuklappen, sondern möglichst viel Zeit mit den Locals hier zu verbringen und deren Lebenseinstellung kennenzulernen und aufzusaugen. Genau das ist mir jetzt passiert – rein zufällig. Der Zufall ist eine wirklich grandiose Sache, er scheint mich automatisch in die richtige Richtung zu lenken. Meistens jedenfalls. 😉

Die letzten 6 Tage reichen alleine locker für ein Buch. Angefangen mit der Art und Weise, wie ich hier überhaupt gelandet bin. Ich hatte einen Flug über die Gletscher gebucht und wie ich bereits schrieb, gab es auf dem Weg hierher einen kleinen Erd- bzw. Bergrutsch – einen „slip“ – , der die einzige Straße, die hier zum Gletscher führt, für fast 3 Tage komplett unbefahrbar gemacht hat; ich hatte das vorher von anderen Reisenden erfahren, also war ich darauf vorbereitet, u.U. eine gute Stunde vor dem „slip“ zu warten, denn nach der Vollsperrung wurde die Straße dann lediglich nur für jeweils 10 Minuten geöffnet. Ein super Zeitfenster, um mal nach einer Unterkunft zu schauen. Die sehr schnell gefunden war – ich plante an einem möglichst wenig touristischen Ort zu bleiben und in der Campermate-App sah ich das „Hotel Whataroa“, 30 Minuten vor dem Franz Josef Gletscher gelegen. Die Kommentare waren in etwa wie „Geh‘ dort nicht hin! Der Besitzer schickt euch nachts und morgens zu den öffentlichen Toiletten!“ oder „Das ist eine Geisterstadt! Keine Leute, kein Licht, nix“ oder „5$ für ne Dusche, 13$ für ein Zelt aber kein Wasser, keine Toiletten“ – das war 2017.
Für die letzten beiden Tage gab es zwei neue Kommentare: „Das Hotel wird grad von einer super netten Frau renoviert…ok, es ist nicht perfekt, aber man kann Billard spielen und es gibt frische Milch von den Kühen der Besitzerin!“ sowie „So ein süßes altes Hotel. Heiße Duschen und die Toiletten funktionieren! Die Besitzerin ist sooo liebenswert und freundlich. Gebt ihr eine Chance, was aus dem Hotel zu machen! Aber passt auf: sie ist die beste Billardspielerin überhaupt!“ Natürlich musste ich also direkt dorthin 😛
Als ich ankam, war niemand da und ich dachte „Oh mein Gott, was für eine Bruchbude!“. Wie der Zufall es so wollte, kam Katrina, eine andere Reisende aus Tschechien, ebenfalls gleichzeitig an. Wir inspizierten das Hotel gemeinsam – in Neuseeland gibt es zwar auch Schlösser, aber niemand benutzt sie!
Wir gingen also durch den Flur, die Küche, durch’s Eß-/Wohnzimmer, die Schlafzimmer sowie durch die Bar und mit jedem Schritt fiel uns die Kinnlade weiter herunter – wir guckten uns an und konnten es einfach nicht fassen, dass dies ein Hotel sein soll, welches tatsächlich geöffnet hat. Wir brachen zeitweise in schallendes Gelächter aus und fühlten uns wie auf einem anderen Planeten. Sah‘ irgendwie etwas mehr nach einem verlassenen Hotel auf, in welchem Horrorfilme gedreht werden oder so…aber irgendwie dennoch sehr charmant! 😀
Nachdem wir uns dann für knapp zwei Stunden entspannt auf einer der Bänke im „Garten“ unterhielten tauchte plötzlich die Besitzerin Madeleine, Rufname „Mads“, auf – war mir etwa bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass ich dort nicht nur eine Nacht, sondern den Rest meiner wertvollen Zeit hier in Neuseeland verbringen würde? 😛 Keine Ahnung…
Wir drei hatten jedenfalls einen prima Abend, erst gab es Curry, dann spielten wir Billard und erfreuten uns an der Musik aus der Jukebox – ich glaub‘ gegen 3 gingen wir dann ins Bett bzw. zwang mich Mads dazu, weil mein Rundflug ja am nächsten Morgen auf mich wartete und ich dafür ausgeschlafen sein sollte. „What the hell Tobi! It’s already 2 AM! C’mon! Go get some sleep or you will either miss your flight tomorrow or at least not be able to enjoy it properly!“ – und eigentlich wollte ich am nächsten Morgen meine Klamotten packen und nach dem Flug direkt weiter Richtung Süden fahren, doch dann kam alles anders. Irgendwie konnte ich meine Brille am Morgen nämlich nicht finden. Ich dachte, sie sei am Billardtisch in der verschlossenen Bar – jedenfalls glaubte ich, dass die Bar verschlossen ist, was mich zwar wunderte, aber anscheinend war ich noch zu schlaftrunken…im Nachhinein stellte sich natürlich heraus, dass die weder die Bar verschlossen war, noch dass meine Brille in der Bar lag…ich hatte Katrina einen Zettel mit der Info über meine Brille unter der Tür durchgeschoben und dass ich vermutlich zurückkommen würde.
Nun ja – trotz allem 😉 war es „dennoch“ grandios, bei perfektem Wetter die Gletscher von oben zu sehen! Wahnsinniges Panorama, megacool und sehr interessant, weil der Pilot uns mit vielen Infos zu den einzelnen Bergen, Seen usw. versorgte! 🙂 Neben dem Treffpunkt für den Flug am Flugplatz sah‘ ich übrigens dann auch die Halle für’s Fallschirmspringen und das brachte mich natürlich auf eine Idee…;-)
Jedenfalls meinte der Pilot noch auf dem Rollfeld nach der Landung zu mir: „You were Tobi, right? You are missing your glasses, isn’t it? Mads found them!“. Und ich so „Pardon?! How the hell do you know?!“ – er hatte die Info über meine Brille schon während des Fluges per durchgegeben bekommen, weil Mads zwischenzeitlich dort im Büro angerufen hatte, nachdem sie meine Brille in meinem Zimmer gefunden hatte…sweet! 🙂
Als ich dann zurück im Hotel war und mich mit Katrina über das grandiose Flugerlebnis unterhielt und im Nebensatz fallen ließ, dass ich möglicherweise noch nen Fallschirmsprung „dran hänge“, wirbelte Mads um uns herum und tat, was sie immer tut: zum einen, planlos wirkend alles Mögliche gleichzeitig zu machen, zum anderen mit irgendwelchen überraschenden Plänen aufwarten. Plötzlich kam sie auf uns zu und meinte: „Hey! Katrina, für dich hab‘ ich einen Heliflug organisiert! Tobi, die Typen vom Fallschirmspringen haben noch ein möglicherweise rabattiertes Plätzchen frei – wie wär’s? Aber ihr müsst euch schon schnell entscheiden, in ungefähr zwei Stunden geht’s los…“ – Ähhhh, ok?! – das Angebot konnten wir nicht ausschlagen und kaum drei Stunden später war Katrina mitm Heli auf’m Gletscher gelandet, während ich aus’m Flugzeug gefallen war – Bilder vom Sprung gibt es hier (klick mich).

Fortsetzung folgt…

Ein Kommentar zu “Hotel Whataroa – erster Teil”

  1. Rene

    Alles richtig gemacht Tobi! Auf dem ersten Bild beim Sprung aus dem Flugzeug siehst Du noch etwas skeptisch aus. Schreib weiter regelmäßig und viel Spaß auf der weiteren Reise.

    Grüße
    René