Honkidonki
So! Zeit für ein Update!
Zunächst mal Fotos aus Hongkong! (hier klicken)
Eigentlich wollte ich ich gestern die Wartezeit am Flughafen für meinem Weiterflug von Hongkong nach Mumbai dazu nutzen, was zu Hongkong zu schreiben, aber dann wurde ich von einer Kanadierin (Shevon) angequatscht, so dass ich „leider“ nix schreiben konnte 😉
Also, bevor ich was zum verrückten Indien schreibe, erstmal was zu Hongkong. Nachdem meine ursprüngliche Reiseroute von Brisbane über Singapur nach Pune ja gecancelt wurde, musste ich ein paar Alternativflüge buchen. Da mein Bruder mir zum einen dringend von Singapur abriet (Zitat „langweilig“ und „sackteuer“ 🤐) konnte ich nach wie immer unkomplizierter Rücksprache mit meinen Reiseagenten von STA-Travel am Rudolfplatz in Köööööln einen Alternativweg über Hongkong finden und wenn man schon mal da ist, kann man ja auch zumindest mal in Hongkong reinschnuppern.
Tja, was soll ich sagen? Es war auf jeden Fall einen Besuch wert. 😇 Viele verschiedene Eindrücke trotz des nur sehr kurzen Aufenthalts von effektiv 1 1/2 Tagen. Eine bunte Mischung aus positiven und negativen Dingen…ich fang‘ mal bei den positiven Dingen an:
Erstmal wäre da die mir unbekannte (chinesische) Schrift zu nennen – nicht identifizierbare Schriftzeichen sind vielen ja z.B. aus Griechenland bekannt, mich hat das im ersten Moment mehr an die Schrift Devanagari aus Indien erinnert. Das Meiste in Hongkong ist allerdings zweisprachig beschildert (kantonesisch (also chinesisch) und englisch), was die Orientierung natürlich vereinfacht, im ersten Moment aber komisch wirkt…
Dann wäre da die Sauberkeit zu nennen – obwohl Hongkong fast das am dichtesten besiedelte Land der Welt ist, ist es auf den Straßen alles andere als unordentlich oder gar dreckig; ich komme später bei den negativen Dingen dazu, warum das so ist 👀 Da kann sich Köln zum Beispiel eine Scheibe von abschneiden 😉
Für die Angsthasen unter uns sei angemerkt, dass man sich in Hongkong jederzeit sicher fühlt und tatsächlich auch sehr sicher ist; es gibt im Gegensatz zu wohl fast jeder anderen Großstadt keine gefährlichen Gegenden oder Straßen und auch abends/nachts fühlt man sich überall sicher – liegt sicher auch daran, dass es nirgendwo wirklich dunkel ist und dass immer viel los ist (außer morgens zwischen ca. 4 und 9 Uhr, da sind die Geschäfte geschlossen und man ist fast mutterseelenallein auf der Straße 😊).
Außerdem sind die Hongkonger ein sehr höfliches, hilfsbereites aber auch zurückhaltendes Völkchen, was vermutlich für viele Asiaten gilt.
Das kulinarische Angebot ist ebenfalls sehr üppig, was für so eine große Stadt natürlich nicht allzu sehr überrascht 😉
Absolut überragend ist der ÖPNV, insbesondere ist hier die Metro hervorzuheben: die Bahnen fahren im Minutentakt, 99.9% der Bahnen fahren pünktlich (!), man kann in den Bahnen und den Bahnstationen vom Boden essen, das Ticketsystem ist leicht verständlich und neben den Bahnen (ausschließlich unterirdische Stationen) sind auch viele der dorthin führenden Fußgängerwege unterirdirsch mit gefühlt jeweils 10 verschiedenen Ausgängen pro Station – das klingt erstmal unübersichtlich, aber dank guter Beschilderung ist auch das super 🙃 So kann man sich viel Stress sparen, denn über der Erde ist es voll, laut und eng…was mich zu den negativen Dingen bringt.
Vielleicht bin ich aufgrund der Stadtführung „der etwas anderen Art“ ein bisschen „biased“, also voreingenommen bzw. möglicherweise auch unfair, aber auch unabhängig von der Führung fällt es einem in Hongkong doch sehr schnell ins Auge, dass die Schere zwischen Arm und Reich ziemlich auseinander geht; es ist zwar nicht ganz so offensichtlich wie z.B. hier in Indien, wo die feinsten Gebäude neben irgendwelchen Wellblechhütten stehen. Dennoch muten viele der Wolkenkratzer in Hongkong ziemlich heruntergekommen an, während viele andere Gebäude state-of-the-art sind; ein Blick auf die Straße verrät ähnliches: BMWs, Mercedes, Teslas, Porsches, Lamborghinis und Ferraris neben den Autos „der kleinen Leute“. Tuk-Tuks (also Autorikschas) hab‘ ich allerdings nicht gesehen, dafür ist Hongkong zu „fein“ 😉
Dieser Eindruck wurde durch die im Hostel beworbene gratis-Tour durch einen Stadtteil Hongkongs schnell bestätigt – hier gibt es ein paar „offizielle“ Infos zur Kowloon Free Tour in Hongkong. Die Tour versucht mal etwas hinter die Kulissen zu blicken und zeigt ziemlich ungefiltert, wozu der doch rigorose Kapitalismus führen kann – insbesondere hervorgehoben wird die unglaubliche Situation auf dem Wohnungsmarkt. Wer denkt, dass die Immobilienpreise bei uns in Deutschland extrem sind, der sollte mal folgendes Foto anschauen:
Unser Guide Martin zeigt dort gerade auf eine 574 Square-Feet große Wohnung (also etwa 54 m²), die für 20.000 Hongkongdollar (letzte Zeile, 2 皮 (das kantonesische Zeichen pèi 皮 bedeutet 10.000) vermietet wird – umgerechnet also ca. 2,250€. Und das bei einem Durchschnittseinkommen von ca. 1.500€/Monat, was allerdings aufgrund der vielen Superreichen ein eher theoretischer Wert ist.
Interessant ist auch das Schild auf Position B2 (Jürgen von der Lippes Geld oder Liebe lässt grüßen! 😅), d.h. 327 Square-Feet (ca. 30m²) für 4.980.000 HK-$, also umgerechnet mehr als eine halbe Million €. 😱
Wozu das führt? Zu verschiedenen Dingen. Manche Leute nehmen gleich mehrere Jobs an, um sich noch so eine Wohnung leisten zu können. So sieht man auch viele verzweifelte alte Menschen, die den Müll, der sonst eigentlich auf den Straßen landet, aufladen und ihn weiter verwerten. Andere wiederum treibt es dann raus aus der Stadt und weitere hausen dann mit der ganzen Familie auf engsten Raum, wie hier beispielhaft zu sehen ist:
Etagenbett in einer 3x3m-„Wohnung“:
„Küche“ auf der gegenüberliegenden Seite:
„Wo ist denn das Bad?“, mag manch einer sich fragen…die Antwort ist, es gibt keins. Die nächste öffentliche Dusche ist ja „nur“ 1.5km entfernt. 🧐 Immerhin gibt es ein Gemeinschaftsklo auf dem Flur…🙄
Für den gemeinen Rucksackreisenden ist das nicht unbedingt erschreckend, die Hostels sind oftmals ähnlich „großzügig“, was das Raumangebot angeht – aber so dauerhaft leben? Auf solch einem knappen Raum? Jeden Cent, den man verdient, für so eine Unterkunft ausgeben? 👀 Letztendlich bezahlt auf diese Art mal wieder der „kleine Mann“ das Leben der Reichen & Schönen, denn mit Immobilien lässt sich halt prima Geld verdienen…ich hingegen fühle mich hier grad in Indien in meinem knapp 50m²-Apartment für gut 10€/Tag wie ein König…
Geht noch schlimmer? Sicher! Das Ganze wird noch „getoppt“ von den berühmt-berüchtigten Cage-Homes:
Eine pure Wohlfühloase, hm?! 🤐
Erstaunlich ist durchaus, dass diese Tour immer noch in der Form stattfindet…neben dieser Seite haben wir auch noch etwas weniger fragwürdige, aber dennoch diskutable Dinge gesehen, zum Beispiel den sogenannten Goldfish Market, auf dem sämtliche Tiere (Hundewelpen, Katzen, Schildkröten, …, Fische diverser Art und natürlich auch Goldfische) feilgeboten werden – wer’s mag. Natürlich für „Glückspreise“, die stets auf einer 8 enden, da die 8 in China als Glückszahl angesehen wird (die 4 ist im Übrigen ihr Gegenteil, daher findet man auch häufig in Gebäuden keine Etagen die die Nr. 4 enthalten).
Eine „interessante“ Happy Hour und den Umgang damit habe ich dann später abends auch noch erlebt. Normal wäre ja, wenn die Preise zur Happy Hour etwas geringer sind. In der Bar, in der ich war, waren die Preise zur Happy Hour (von 12 Uhr nachts bis 9 Uhr abends) nicht nur um ca. 70% (!) reduziert, sondern es gab obendrauf noch ein zweites Gratis-Getränk auf jedes beliebige Getränk, was man bestellte. Noch besser: man konnte die Happy Hour sozusagen im Voraus nutzen, d.h. man kann z.B. um halb 9 abends einfach schon mal 5 Bier auf „Halde“ ordern – die werden dann auch nicht gleichzeitig serviert, sondern schön der (Trink-)Reihenfolge nach. D.h. in Summe 10 Bier um für den Preis von 5 Bier und dann auch noch um 70% reduziert – das garantiert einen guten Kater am nächsten Morgen…🙈 Prost! 🤪
So, reicht dann mal für’s Erste, auch wenn ich durchaus noch „Stoff“ hätte 😋
am 8. April 2019 um 01:48 Uhr.
Interesting…gabs auch legga food in Hong Kong..wo biste abgestiegen?
am 9. April 2019 um 20:49 Uhr.
Joa, gab es durchaus – wobei das Angebot in so einer Stadt fast selbstverständlich unendlich groß ist und auch die internationale Küche gut vertreten ist. Hab‘ mich bei der Ankunft am Hongkonger Flughafen von meinem Nachbarn im Flugzeug (aus Australien) zum Essen einladen lassen 😀
Ich würde mal sagen, dass die Hongkong’sche Küche sehr stark an die chinesische angelehnt ist – bei meinem so kurzen Aufenthalt hat’s nicht für allzu viele Mahlzeiten gereicht 😉
Ich war für die beiden Nächte in einem unspektakulären Hostel mit nicht funktionierendem Aufzug im 6. Stock…:D